5D Laufanalyse – Ein Fuchs wird berechnet

Draußen prasselt der Regen auf die nass glänzende Straße. Gestalten unter Regenschirmen huschen vermutlich zum Gottesdienst. Die Luft ist kalt, der Wind macht sie noch kälter. Manchmal hat es Vorteile, verletzt zu sein und einfach mal auf der Couch mit einem heißen Kaba herumzugammeln. Und das so ganz ohne schlechtes Gewissen. Und dann sehe ich am Horizont ein grellgrünes Laufshirt durch den nassen Novembertag rennen – wie kann man nur, bei diesem Wetter?!? Aber irgendwann möchte ich auch wieder laufen können, so richtig. Nicht nur wie aktuell 3 Kilometer laufen und dann gehen. Nein, ich will wieder 30 Kilometer über die Hügel und Weiten des Heckengäus jagen – jagen wie ein Fuchs.

Der Besuch beim Orthopäde brachte schließlich Licht ins Dunkel meiner Schmerzen: Pes-Anserinus-Syndrom. Einer der Gründe dafür kann eine Fehlbelastung beim Laufen sein und dabei habe ich schließlich auch die Schmerzen. Das Gehen macht keinerlei Probleme. Das hat mich schon dazu gebracht, dieses Nordische Gehen auszuprobieren. Das ist nicht meins. Ständig habe ich aufgepasst, dass mich niemand dabei erwischt. Solche Schweinereien sind einfach nichts für Füchse. Eine weitere Möglichkeit aktiv gegen die Probleme vorzugehen wäre das Vermeiden und Ausmerzen von Fehlbelastungen. Aus diesem Grund habe ich mich dazu entschieden eine professionelle 5D Laufanalyse machen zu lassen.

Das 5D LAB Analysesystem

Meine erste Frage, als ich zum Termin mit Matthias in das Laufschuhwerk in Ostfildern-Nellingen kam, war: „Woher kommt denn das 4. Und 5. „D“?“ Matthias (süffisantes Lachen): „Ja, das fragen die meisten.“ Nun, eigentlich nicht schwer. Dieses System ist erst ganz frisch auf dem Markt der Laufanalysen. Es ist misst neben der normalen Laufbewegung sowohl Zeit und Geschwindigkeit (4. „D“) als auch die Belastung auf Hüft- und Kniegelenke durch die Berechnung von Kräften und Drehmomenten mit einer Genauigkeit von 95% (5. „D“).

Das 5D Analysesystem besteht quasi aus zwei Säulen. Zwei Time-of-Flight 3D Kameras mit Tiefensensoren nehmen den Läufer auf. Diese sind mit der Analysesoftware MotionMetrix gekoppelt. Innerhalb von 45 Sekunden zerlegt diese den Läufer in ein Strichmännchen, Gelenke werden durch weiße Punkte dargestellt. Das Schöne dabei ist, dass keine Markerpunkte notwendig sind und man auch nicht in Hot Pants laufen muss. Ganz normale, enge Laufklamotten sind vollkommen ausreichend. So darf man sich also 45 Sekunden auspowern und bekommt seinen Laufstil in alle Einzelheiten zerlegt – Bodenkontaktzeit, Messung von Brems-, Vertikal- und Lateralkräften, Auslenkung des Körperschwerpunktes, Fussaufsatz, ….

Doch was bringt mir als Läufer das Ganze? Die Frage ist berechtigt. Letztendlich geht es darum, die Laufökonomie zu beurteilen und mögliche Ansätze zu finden, bestehende Beschwerden auszumerzen oder vorbeugend Verletzungen zu vermeiden. Oder einfach um die Laufeffizienz zu steigern und so seine Ergebnisse zu verbessern.

Meine Ergebnisse und Erkenntnisse

Testergebnisse Inov-8 X-Talon – 1. Seite (zur Verfügung gestellt von Matthias / Laufschuhwerk; auch unten)

Testergebnisse Inov-8 X-Talon – 2. Seite

Testergebnisse Inov-8 X-Talon – 3. Seite

Ich will euch jetzt nicht mit jedem einzelnen Wert nerven, das wäre auch wenig zielführend. Als ambitionierter Läufer habe ich schon einen sehr ordentlichen Laufstil. Aber auch bei mir gibt es die drei Stellschrauben, an denen ich hauptsächlich drehen sollte.

  1. Fussaufsatz: Ich gehe quasi auf dem Strich. Nicht, was ihr jetzt denkt. Meine Füße setzen in Laufrichtung auf einer gedachten Linie auf, teilweise überkreuze ich vor allem mit dem linken Bein sogar („step separation“). Davon könnten auch meine Probleme mit der Pes-Anserinus Sehnenplatte kommen, da die Oberschenkelmuskulatur das irgendwie ausgleichen muss. Vermeiden ist schwer, Beinachsentraining auf dem Balance Pad wichtig.
  2. Vermutlich durch das Trailrunning mit Rucksack und / oder Stöcken habe ich mir einen sehr breiten und ausladenden Armschwung angewöhnt. Dadurch verdreht sich mein Oberkörper in der Laufbewegung, was von der Hüfte ausgeglichen werden muss. Hier sollte ich mir einen engeren Armschwung antrainieren. Dieser sollte auch mehr aus der Schulter kommen. Also, Stöckchen in die Ellbogenbeuge und ab in den Wald.
  3. Ich habe eine etwas zu lange Bodenkontaktzeit. Hier muss ich dran arbeiten, diese zu verkürzen. Letztendlich heißt das auch wieder an der Armarbeit zu arbeiten, da sie letztendlich den Takt vorgibt. Zudem brav Lauf-ABC machen.

Wenn ich diese drei Dinge in Zukunft beherzige, dann sollte einem erfolgreichen Laufjahr 2018 nichts mehr im Wege stehen.

Zudem hatte ich die Möglichkeit verschiedene Schuhe zu testen. Erfreulich war für mich, dass der Inov-8 Terraclaw 220 am besten abgeschlossen hat, da ich mit ihm den saubersten und effizientesten Laufstil hatte. Direkt darauf folgte der Inov-8 X-Talon 212 (siehe Video unten). Das macht mein Markenbotschafterherz natürlich glücklich.

Mein Fazit

Ich kann eine Laufstilanalyse nur empfehlen. Einmal ist es für die Techniknerds unter uns Läufern natürlich unheimlich spannend. Aber es kann auch dabei helfen, seinen Laufstil noch effizienter zu machen, an Schwachstellen zu arbeiten und Verletzungen auf Grund falscher oder unsymmetrischer Belastung zu vermeiden. An dieser Stelle vielen Dank an Matthias vom Laufschuhwerk in Ostfildern-Nellingen – ich werde wiederkommen um zu sehen, ob ich effizient an meinen Schwachstellen gearbeitet habe oder nicht. Denn Füchse gehören auf die Piste mit Laufschuhen an den Pfoten – sie wollen jagen ohne Schmerzen.

Johannes

Johannes

… liebt Schinkennudeln und Vollnussschokolade, Trailrunning ist seine Passion, ja manchmal Religion. Ist studierter Geograph und nervt schon mal mit stundenlangen Vorträgen zu heimischen Orchideen und Karnivoren. Der Wolf im Fuchspelz.
Johannes

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