Der Herr der Stöcke!

Es ist ja immer wieder die Frage beim Trailrunning, vor allem, wenn es ins alpine Gelände geht:

Mit oder ohne Stock? Diese Frage muss wohl jeder für sich selber beantworten. Hat man dann schließlich für sich die Frage mit „Ja“ beantwortet und macht sich auf die Stocksuche, steht man vor der nächsten Aufgabe. Wie viel Technik sollte im Stock stecken? Soll es ein Einlängenstock sein, möchte ich einen schnell verstaubaren Stock, möchte ich volle Längenverstellung? Wir haben drei Varianten für Euch unter die Lupe genommen:

  • Leki Vertical K
  • Leki Micro Trail Pro
  • Leki Micro Trail Vario

Alle Stöcke stammen aus der Trailrunning-Serie von Leki. Die Rohre sind jeweils aus 100% Carbon aufgebaut.

Hinweis: Die Stöcke wurden uns von Leki kostenfrei zur Verfügung gestellt, die hier dargestellte Meinung ist nicht von Dritten (z.B. mit kostenlosem Kuchen) beeinflusst worden.

Leki Vertical K

Der Leki Vertical K genügt auch höchsten Ansprüchen beim Wettkampf (Bild: Robert Kampczyk https://vitaminberge.de/)

Die Fakten:

  • Konstruktion: Fixlänge
  • Griff: Trigger Shark 2.0 mit Griffverlängerung
  • Schlaufe: Trigger-Shark
  • Segmente: 1-teilig
  • Spitze: Nordic Walking Speed Tip
  • Länge / Größe / Gewicht: 120 bis 140 cm in 5er Schritten /140 g bei 120 cm Länge

Der Leki Vertical K ist ein kompromissloser Speedstock. Durch die Fixlänge eignet er sich nur für Trailrunner, die den Stock sowieso durch den ganzen Lauf hindurch verwenden oder aufgebaut lassen.

Für Läufer, die den Stock auch mal im Rucksack verstauen wollen oder eventuell zu ihrer Laufdestination fliegen, ist dieser Stock die falsche Wahl. Sehr gut ist die geriffelte Griffverlängerung. Dadurch lässt er sich auch für kurze, schnelle oder extrem steile Anstiege nutzen. Durch die Riffelung braucht man nicht allzu viel Handkraft aufbringen, um den Stock sicher halten zu können.

Eigentlich mag sie ja weichen Untergrund lieber – Speed Tip beim Leki Vertical K

Das Trigger Shark System in seiner zweiten Generation überträgt die Kraft bestens vom Stock auf den Arm. So spart man Kraft in den Beinen – aber Vorsicht vor Muskelkater in den Armen. Durch das schnelle Ein- und Aushängen der Schlaufe im Trigger Shark Griff spart man Zeit, zum Beispiel, wenn der Anstieg geschafft ist.

Dank der Fixlänge vermittelt der Stock ein unheimlich stabiles Gefühl beim Laufen im Vergleich zu Faltstöcken. Zudem fallen die anfälligen Verstell- und Faltsysteme weg.

Das macht den Stock bei richtigem Gebrauch quasi unkaputtbar. Die Speed Tip beißt sich in jedem Untergrund fest und gibt so ausreichend Vor- und Auftrieb. Alles in allem ein Stock für schnelle Trailrunner, denen es auf Leichtgewichtigkeit, Speed und eine neue Bestzeit beim nächsten Vertical K ankommt – oder wie Leki selber so schön schreibt: Go Fast, go light and leave your comfort zone.

Leki Micro Trail Pro

Der Leki Micro Trail Pro besticht durch sein minimales Packmaß und durch sein Ferrari-Rot

Die Fakten:

  • Konstruktion: Faltstöcke mit Fixlänge
  • Griff: Trigger Shark 2.0 mit Griffverlängerung
  • Schlaufe: Trigger-Shark
  • Segmente: 4-teilig
  • Spitze: Fin Vario (Summer Tip)
  • Länge / Größe / Gewicht: 110 bis 135 cm in 5er Schritten / Packmaß 38 cm (120 cm) / 140 g bei 120 cm Länge

Der Leki Micro Trail Pro eignet sich durch seine Falttechnik auch für Läufer, die einen Trailrunningstock während des Trainings oder im Wettkampf auch mal am oder im Rucksack verstauen wollen. Durch seine Fixlänge sollte man sich ausreichend Gedanken machen und testen, welche Länge am geeignetsten ist. Durch die 5er Schritte sollte aber für jeden Läufer eine Passende dabei sein. Die geriffelte Griffverlängerng aus Kork lässt sich gut greifen und bietet zusätzliche Flexibilität, vor allem, wenn es mal extrem steil wird oder man nur einen kurzen Stich hochkeulen will.

Bei der Fin Vario Spitze lässt sich der Sommer-„Teller“ umtauschen in den schneetauglichen Winterteller – wäre übrigens auch bei viel Matsch eine sinnvolle Variante

Die Fin Vario Spitze gräbt sich zuverlässig in jeden Untergrund ein. Sie ist quasi in Laufrichtung ausgerichtet und bietet so beim Abdruck besten Vortrieb. Auf Grund der Falttechnik kann es aber sein, dass das untere Segment verdreht ist und sie in die falsche Richtung zeigt. Dadurch kann es passieren, dass die Spitze nicht 100%ig greift bzw. man auch mal mit dem Teller an einer Felskante oder Wurzel hängen bleibt.

Das ist schade, hier sollte nachgebessert werden und der überragende Gesamteindruck des Stockes wird ein wenig getrübt. Diesen Makel kann auch die schnittige, rote Farbe nicht mehr rausreißen – schließlich sind wir Trailrunner ja doch auch ein wenig eitel.

Der Trigger-Shark 2.0 Griff bietet auch hier eine super Kraftübertragung vom Arm auf den Stock. Nach zahlreichen Trainingskilometern auf der Schwäbischen Alb und den Allgäuer Alpen funktioniert die Falttechnik immer noch tadellos und hat keinerlei Spiel. Ein fast gelungener Stock, der mehr Flexibiltät liefert als der Vertical K.

Leki Micro Trail Vario

Die Fakten:

  • Konstruktion: Faltstöcke mit Variolänge
  • Griff: Trigger Shark 2.0 ohne Griffverlängerung
  • Schlaufe: Trigger-Shark
  • Segmente: 5-teilig
  • Verstellsystem: Speed-Lock 2
  • Spitze: Trail Tip
  • Länge / Größe / Gewicht: 105 bis 120 cm stufenlos verstellbar / Packmaß 38 cm / 191 g
Im Test: Leki Micro Trail Vario

Die Kraftübertragung bergauf passt!

Tja, da wären wir also mal wieder. Der Triathlon-Fuchs im Gelände. Mit Faltstock. Letzthin ein eher seltener Anblick, der allerdings für mich nicht ungewohnt ist. Schließlich habe ich auch schon so manches Trailabenteuer hinter mir und bin immer noch regelmäßig wandern und wenn es die Zeit zulässt (und die Sehne) beim Trailrunning aktiv. Mit dem Micro Trail Vario habe ich inzwischen auch schon einige Kilometer durch und hatte ihn unter anderem während meines Aufenthalts am Achensee im Einsatz. Meine Einschätzung zu meinem bisher dritten Leki-Stock:

Nach dem Micro Vario Carbon und dem Speedstick, bin ich nun also zum ersten Mal mit Stöcken unterwegs, die mit den Trigger-Shark-Griffen ausgerüstet sind. Etwas ungewohnt, haben die anderen Stöcke doch die etwas größeren Aergon-Griffe, ohne feste Handschlaufe. Im ersten Moment bin ich dennoch überrascht, wie gut die Kraftübertragung bergauf klappt.

Im Test: Leki Micro Trail Vario

Der Trigger Shark 2.0 Griff lässt sich gut bedienen.

Ich kenne das System bisher nur von meinen Langlaufstecken. Das ist insofern ein Vorteil, als das es mir hilft, mich direkt mit dem Ausklicken aus der „Bindung“ zurecht zu finden. Das geht dank der Knöpfe einigermaßen einfach von der Hand, auch wenn ich die Daumen etwas verrenken muss.

Das große Manko der Griffe: Beim Bergablaufen kann ich mich nicht so gut darauf abstützen, wie auf den größeren Griffen. Ich persönlich mag das gerade im verblockten Gelände sehr.

In Sachen Gewicht kann ich nichts negatives berichten. Die Stöcke sind nicht schwer, lassen sich leicht zusammenfalten, verstauen oder – wie ich es in der Regel präferiere – einfach in der Hand halten. Der Speedlock-Mechanismus zum Verstellen der Stocklänge ist ebenfalls leicht zu bedienen und natürlich für all jene von Vorteil, die die Länge beim Bergauf- und Bergablaufen variieren wollen.

Im Test: Leki Micro Trail Vario

Das Leki Speed-Lock 2.0 mit praktischer Längenmarkierung.

Bei der Spitze muss ich meinem Fuchskollegen beipflichten: An sich guter Grip und bester Halt – wenn sie denn in die richtige Richtung steht. Auch bei mir kam es häufig vor, dass ich das untere Segment in die richtige Richtung drehen musste. Hier präferiere ich die Flex-Tip mit ihrem kleinen Teller, wie sie an meinen anderen Leki-Stöcken dran ist.

Unterm Strich ist der Micro Trail Vario für mich eher die Wahl für die heimischen Trails auf der Alb oder in anderen Mittelgebirgen. Wie schon erwähnt, empfinde ich die breiteren Griffe im verblockten, alpinen Gelände als deutlich angenehmer gegenüber den Shark-Griffen. Dennoch haben wir hier einen soliden, leichten und fast gut durchdachten Stock, den man sich guten Gewissens anlachen kann – wenn man die 179,95€ (UVP) auf den Tisch legen möchte!

Johannes

Johannes

… liebt Schinkennudeln und Vollnussschokolade, Trailrunning ist seine Passion, ja manchmal Religion. Ist studierter Geograph und nervt schon mal mit stundenlangen Vorträgen zu heimischen Orchideen und Karnivoren. Der Wolf im Fuchspelz.
Johannes
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