Der Trailfuchs im Kleinwalsertal

Große Aussichten im Kleinwalsertal auf der Kanzelwand

Anfang Juli hat es mich ins Kleinwalsertal verschlagen zum Trainingslager. Ende Juli steht die Walser Trail Challenge an, Anfang September schließlich der Trans Alpine Run. Da heißt es Höhenmeter sammeln. Leider machte mir im Vorfeld des Trainingslagers die innere Schienbeinkante des linken Beins Probleme. Daher bin ich mit einem mulmigen Gefühl angreist. Eines vorne weg, mein Schienbein hat gehalten, wurde sogar von Tag zu Tag eher besser. Das macht wohl die gute, kleinwalsertäler Luft.

Mein Basislager schlage ich in Riezlern auf. Das Kleinwalsertal wurde Ende des 13. Jahrhunderts von den Walsern (alemannische Volksgruppe im Alpenraum. Im ausgehenden Hochmittelalter besiedelten sie aus dem heutigen Kanton Wallis heraus weitere Alpengebiete in der Schweiz, in Nordwestitalien, Liechtenstein und Westösterreich, vereinzelt auch in Savoyen und Bayern) über den Hochalppass her besiedelt. Damals war es wohl noch nicht so schön und wohnlich wie heute. Aber nun genug mit Geschichte, schließlich geht es hier ja um’s Trailrunning. Und wie ich an den fünf Tagen feststellen musste kann man das außerordentlich gut im Kleinen Walsertal.

Oben auf – Walser Hammerspitze

Das Kleinwalsertal bietet hier durchaus einiges. Die Infrastruktur ist perfekt. Es gibt Supermärkte, aber auch gut sortierten Sportfachhandel, falls man was zu Hause vergessen hat. Für jeden Geldbeutel ist ein passendes Hotel dabei. Durch die Walser Card, die in der Regel im Hotelaufenthalt dabei ist, kann man kostenlos mit dem Walser Bus fahren. Dieser fährt zwischen Oberstdorf und Baad (letzter Ort im Talschluss) in der Regel im 10 Minuten Takt. Und es gibt auch mehrere Nebenlinien in die Seitentäler hinein. Da kann man das Auto getrost stehen lassen und auch den ein oder anderen Streckenlauf machen, ohne dabei an den Ausgangspunkt zurücklaufen zu müssen. Man kann sich schön chauffieren lassen. Das ist schon sehr fein.

In der Walser Card sind auch beliebig viele kostenfreie Fahrten mit den Seilbahnen im Kleinwalsertal enthalten. Perfekt also für’s Bergtraining. Hochlaufen – Bahn runter – Hochlaufen – Bahn runter – Hochlau …. ach ihr wisst schon, bis die Waden glühen. Oder man spart sich einfach ein paar Höhenmeter um die herrlichen Trails „oben“ einfach mehr genießen zu können.

Zwei meiner Runden möchte ich Euch näher beschreiben, da sie perfekt die Vorzüge des Kleinwalsertals aufzeigen.

Baader Hörner Runde

Anspruchsvoller Grat vom Steinmandl zum Grünhorn (Bild: Sebastian Dämmig)

Start der Runde ist am Wanderparkplatz in Baad, dem hintersten Ort vor dem Hochalppass. Hier dominieren steile Grasberge, was den besonderen Reiz dieser Runde ausmacht. Los geht’s erstmal auf breitem Fahrweg durch Bergwald, zunächst auf Asphalt, dann auf Schotter. Steil zieht der Weg im Zick Zack gen Walmendinger Horn hinauf. Nach ca. 2,6 Kilometer, unweit der Stutz Alpe, geht’s endlich auf den Trail und weiter nach oben. Teils laufbar, teils sehr steil, so dass Gehen effektiver ist. Inzwischen von saftigen Bergwiesen umgeben, geht es rechts ab zum Walmendinger Horn. Das kann man sich sparen. Wir laufen weiter den Ochsenhöfer Köpfen entgegen und steigen ihnen schließlich auf’s Haupt.

Hier ist Trailgenuß pur angesagt, mal technisch, mal gut laufbar, mal rauf, mal runter, selten eben, immer beste Aussicht zum Hohen Ifen und zum Großen Widderstein. Des Trailrunners Herz schlägt hier Purzelbäume. So geht’s bis zur Ochsenhöfer Scharte. Hier beginnt der kurze Downhill zur Schwarzwasserhütte, der direkt in den anfangs sanften, später steilen und fordernden Anstieg rauf zum Steinmandl übergeht. Das Steinmandl wird von drei Graten „aufgespannt“. Den ersten kommt man von der Schwarzwasserhütte hochgelaufen, der zweite geht weiter zum Kreuzmandl. Die Runde geht schließlich auf dem dritten Grat weiter, der zum Grünhorn rüber zieht. Hier ist extrem technisches Laufen

Baader Hörnerrunde – immer an der Gratschneide entlang (Bild: Sebastian Dämmig)

Nun heißt es immer an der Gratschneide (oder knapp drunter) entlang – über Hochstarzel und Güntlespitze bis zur Üntschenspitze. Stets durch saftige, blumenreiche Bergwiesen (ACHTUNG: Botanisieren und gleichzeitiges Laufen verträgt sich nicht so richtig!!!!), teils ausgesetzt, kurze Kraxelstellen, immer beste Aussicht. Vorsicht bei Nässe, da wird’s hier schnell rutschig. Spätestens an der Üntschenspitze sollte man dann mal innehalten und die wahnsinnig schöne Aussicht genießen. Zumal dieser Gipfel wenig besucht und dadurch Gipfelromantik fast garantiert ist.

Nun geht’s zunächst den gleichen Weg zurück bis zum Derrenjoch. Hier beginnt der traumhaft schöne Downhill an der Derrenalpe vorbei durch den Talschluss des Derrenbaches bis man schließlich auf den Fahrweg kommt, der sanft das letzte Stück nach Baad zurückführt. TIPP: Kurz oberhalb vom Parkplatz (300 Meter) gibt es eine perfekte Stelle, um sich in den kalten Bergwassern des Derrenbaches zu erfrischen.

Strecke: ca. 23 Kilometer / Aufstieg: 2.065 Höhenmeter / Anspruch: Vom breiten Fahrweg bis zum anspruchsvollen und sehr technischen, ausgesetzten Trail alles dabei. Wenn man das Steinmadl weglässt aber alles gut machbar

Über weite Höhen von Riezlern nach Baad

Downhill von der Fiderescharte – im oberen Teil noch nicht technisch und einfach nur „ballern“

Diesmal geht die Tour an der großen Breitachbrücke in Riezlern los. Hier gibt es direkt eine Bushaltestelle. Erstmal laufen wir auf Asphalt und Gehweg. Kurz vor der Seilbahnstation der Kanzelwandbahn geht es rechts ab und über einen breiten Schotterweg steil nach oben, unter der Seilbahn lang bis man auf den Riezler Höhenweg trifft. Diesem 200 Meter folgen und sich überlegen, wieso zum Fuchs dieser „Trail“ asphaltiert ist. Dann geht es direkt vor einem Zaun rechts ab (TIPP: Wer hier runterkommt kann nochmal 5 Höhenmeter investieren und seinen Beinen das Kneippbecken gönnen – Herrlich!!) und stetig sehr steil ansteigend über ein Wurzelparadies durch Bergwald der Riezler Alpe entgegen. Nur selten verschaffen ebene Meter mal Erholung. An der Riezler Alpe kann man entweder weiter und über die Gehrenspitze (sehr steil) oder sanfter und meist wunderschön laufbar durch’s sogenannte Kanonenrohr dem Gundsattel entgegen. Von dort weiter im Zick Zack rauf auf die Kanzelwand.

Wer früh da ist, kann die Aussicht genießen. Wer zu spät kommt, den bestraft der Bergbahntourist mit übermäßiger Anwesenheit. Also schnell weiter in Richtung Kühgund Alpe. Herrliches Gelände, das alles bietet, was man von alpinem Trailrunning erwarten kann – rauf und runter, rechts und links, technischer Trail und Ballertrail. An der Kühgund Alpe beginnt der Trail rauf zur Fiderepasshütte und weiter zur gleichnamigen Scharte. Der fordert wieder, ist aber toll und kurzweilig. Auf der anderen Seite geht es zunächst sehr technisch weiter, bis man auf der Taufersbergalpe auf den Weg zur Mindelheimer Hütte einschwenkt. Man hat hier ständig den prächtigen Allgäuer Hauptkamm vor Augen, befindet sich wieder im Trailrunning Paradies, dass uns nun für den restlichen Lauf auch so begleiten wird.

Trailgenuss im Roßgund – aber die Steinadler nicht vergessen

Wir passieren die Mindelheimer Hütte, wo der letzte, nennenswerte Anstieg der Tour rauf Richtung Geißhorn beginnt. Das lassen wir aber rechter Hand liegen. Aber nicht täuschen lassen, denn das anschließende Koblat zwischen Koblatpass und Widdersteinhütte fordert nochmal. Ständige Richtungswechsel, dauerndes Auf und Ab, dabei schwieriger Untergrund fordern nochmal volle Konzentration, machen aber unglaublich Spaß. Ab der Widdersteinhütte geht es zunächst eben und geröllig, dann eher erdig weiter zum Hochalppass, wo schließlich der finale, unschwierige Downhill ansteht. Ab der Bärguntalpe führt ein Fahrweg zum Wanderparkplatz oder zur Bushaltestelle in Baad und man kann diese eindrucksvolle Tour gemütlich zu Ende bringen. Und das Bad im Derrenbach nicht vergessen.

Strecke: 28 Kilometer / Aufstieg: 2.226 Höhenmeter / Anspruch: Teils sehr technisch, aber kaum ausgesetzte Passagen, lang

Weitere unzählige Möglichkeiten

Natürlich gibt es noch viele weitere Möglichkeiten, das Kleinwalsertal laufend zu erkunden. Von einfachen Trails bis zu sehr technischem Gelände ist alles dabei. Sehr lohnend sind auch Hoher Ifen und das Gottesackerplateau – eine beeindruckende Karstlandschaft. Einen Besuch wert ist auch die Naturbrücke und die Gletschermühlen im Gebiet Egg in Riezlern. Sehr schön ist auch ein Abstecher in den Roßgund unweit der Fiderescharte, wo man nach Steinadler und Steinbock Ausschau halten sollte. Es könnt sich lohnen. Hier unbedingt noch die Walser Hammerspitze mitnehmen. Nun wünsche ich euch viel Spaß beim Entdecken der besten Trails im Kleinen Walsertal.

Johannes

Johannes

… liebt Schinkennudeln und Vollnussschokolade, Trailrunning ist seine Passion, ja manchmal Religion. Ist studierter Geograph und nervt schon mal mit stundenlangen Vorträgen zu heimischen Orchideen und Karnivoren. Der Wolf im Fuchspelz.
Johannes
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