Erbach Triathlon 2017 – Bojen, Ballern und Bächlein machen!

Regelmäßig beschwere ich mich an dieser Stelle über das frühe Aufstehen, das mich und uns als Läufer, Triathleten und Bergsport nur zu gerne heimsucht. Aber es ist wohl eines dieser ungeschriebenen Naturgesetze, dass wir einfach früh aus den Federn geworfen werden, um unserer Leidenschaft zu frönen. Und so ist auch dieser Sonntagmorgen Ende Juni 2017 – zwei Wochen vor meiner zweiten Teilnahme bei der Challenge Roth – einer dieser Tage. 5:30 Uhr ist die Zeit, in der der Wecker meines Smartphones mich mit seinem schrillen Klingeln aus den Federn hievt.

Triathlon Erbach 2017

Alles bereit für den ersten Triathlon 2017

Es ist Tri-Time. Zum ersten Mal 2017. Es geht nach Erbach bei Ulm. Ursprünglich war der Plan, als Agegrouper – also ganz „normal“ – an den Start zu gehen. Doch wie immer kommt es anders. Denn ich muss für meine Mannschaft ran. Genauer: für die zweite Mannschaft der LG Steinlach-Zollern, bei der ich seit diesem Jahr Mitglied bin. Ich bin Ersatzspieler und das ganze soll ohne Druck laufen – na gut, bin ja eh nicht so gut bzw. in Langdistanz-Form. So arg schnell geht es gerade eh nicht. Kein Problem, wird mir versichert und so heißt es für Sportskamerad Hai und mich etwa eine dreiviertel Stunde nach dem Aufstehen: Auf in Richtung Erbach!

Um diese Uhrzeit ist es natürlich noch sehr leer auf der Straße und wir kommen ziemlich zügig voran. Gut eine Stunde später stehen wir auf dem Parkplatz umringt von zahlreichen Autos. Ganz schön was los hier. Aber das ist ja auch logisch, wenn die erste bis dritte Baden-Württembergische Triathlonliga (Damen und Herren) plus die Agegrouper an den Start gehen. Auch wenn ich seit Roth 2016 bei keinem Triathlon mehr gestartet bin, ist das Prozedere rund um Check-In und Wechselplatzvorbereitung fest in mir verankert. Wie Fahrradfahren. Das verlernt man nicht.

Triathlon Erbach 2017

Im Wasser ist es wärmer als an Land.

Die Vereinskameraden der ersten Mannschaft starten bereits mit dem Warmup, während ich noch halb schlaftrunken an der Schlange zum Dixieklo stehe. Wobei Schlange zuviel gesagt ist. Lediglich drei andere Sportler stehen vor mir. Auch nicht unbedingt selbstverständlich. Aber so kann man Triathleten besonders glücklich machen 🙂 Das Geschäft ist erledigt und ich positioniere mich in der Nähe des Schwimmstarts, denn die 1. BaWü-Liga – darunter auch unsere Jungs – steht in den Löchern. Wie von der Tarantel gestochen rennen die Athleten ins Wasser. Beine, Arme und Körper wühlen sich durch das aufgebauschte Wasser. Schnell sortiert sich das Starterfeld und es kristallisieren sich erste Grüppchen. Der schnellste Schwimmer ist allerdings ein ziemlicher Meister seiner Klasse. Mit einer Schwimmzeit von knapp unter 18 Minuten kommt er mehrere Minuten vor dem Zweitplatzierten aus dem Wasser. Die ersten LG Steinlach-Athleten reihen sich aber auch unter die Top-Ten.

Im See gehts Rund

Während die Jagd auf dem Rad seinen Lauf nimmt, ist es für uns auch langsam Zeit zum Warm machen. Gemütliches Laufen, Arme kreisen und Kollege Harry lässt sich sogar zu ein paar Liegestütze hinreißen. Das Wasser ist schön warm, so warm, dass man lieber darin bleiben möchte, denn der Wind an Land und die fehlende Sonne lassen uns frösteln, als wir uns mit den knapp 120 anderen Drittliga-Athleten am Strand sammeln. Ich positioniere mich wie immer recht weit außen. Ihr könnt mich gerne ein Weichei schimpfen, aber die Klopperei am Anfang brauche ich so wenig wie möglich. Dann lieber zwei Meter weiter, aber ruhig schwimmen.

Das klappt heute tatsächlich ziemlich gut und ich komme ganz passabel weg. Kaum Schläge und mein Schwimmstil ist schon nach wenigen Minuten schön regelmäßig. Aber es zieht sich. Dass das Schwimmen nicht meine Lieblingsdisziplin ist, ist bekannt und so versuche ich das Beste daraus zu machen und mich auf die Bojen konzentrieren, die wir je zwei Mal umrunden müssen, um die 1500 m voll zu bekommen.

Triathlon Erbach 2017

Start der 1. BaWü-Liga.

Im trüben Wasser erkenne ich immer wieder den dichten Algenwald unter uns und stelle mir vor, dass sich die Fische darin verstecken. Recht so. Neben mir erscheint Hai. Nein, nicht ein Hai, sondern Hai, mein Vietnamesischer Freund und Vereinskamerad. Normalerweise schwimmt er etwas schneller als ich. Heute bin ich aber wohl einfach besser drauf und überhole ihn langsam, aber mit stetem Tempo.

Lutschen bis der Arzt kommt

Um mich herum ist nicht sonderlich viel Betrieb, als ich aus dem Wasser steige und Richtung Fahrrad marschiere. Der Wechsel klappt soweit mühelos und etwas weniger als drei Minuten später – die Wechselzone ist relativ lang – sitze ich fest im Sattel und haue in die Pedale. Wir haben Windschattenfreigabe und ich bin gewillt, das so gut es geht auszunutzen, was auf den ersten Kilometern noch nicht so gut klappt. Allerdings überholt mich nach etwa fünf Kilometern ein Starter auf seinem Vintage-Bike mit Rahmenschaltung – ja, richtig gehört… Ich habe zwar auch keinen High-End-Hobel, aber das wollte ich dann doch nicht auf mir sitzen lassen. Also ran ans Hinterrad.

Triathlon Erbach 2017

Gut gepudert ist halb gewechselt!

Bis KM 10 sammeln wir noch zwei weitere Radfahrer ein und sind ab sofort in einer Vierergruppe unterwegs. Tatsächlich bin ich sehr dankbar über die Windschattenfreigabe, auch weil es heute sehr windig ist. Wir geben ordentlich Druck und Kurbeln im Schnitt mit gut 36 km/h über die Straße. Natürlich übernehme ich auch mal die Führungsarbeit, man will ja kein allzu großer Lutscher sein. Die Strecke verfliegt förmlich unter uns und während wir dem Ende des Radkurses entgegen steuern, erreicht uns tatsächlich noch eine größere Gruppe von Radfahrern, kurz vor dem Ortseingang von Erbach.

Gar nicht so einfach die Orientierung zu behalten, bei den vielen Kurven und den ganzen Athleten um mich herum. Ich fahre eher defensiv und finde mich schnell am Ende der Gruppe wieder – was weiter nicht schlimm ist, zwei Kilometer vor der Wechselzone. Ich rolle locker mit, öffne schon mal die Schuhe, ziehe sie aus und steige mindestens so galant vom Gaul ab, wie ein Prinz in einem Disney-Märchen.

Go for a run they said…

Der zweite Wechsel geht ebenfalls gut von der Hand und ich bin direkt im Laufmodus – gut, dass der Körper das immer noch drin hat. Ebenfalls drin hat mein Körper eine ordentliche Menge Urin, die leider raus muss. Also Pinkelpause. Das kostet mindestens 30-40 Sekunden. So ein Mist. Aber ohne Ballast ist es einfach angenehmer. Also, wenn man das rasante Tempo noch als angenehm bezeichnen kann. Ich pendle mich auf den ersten Kilometern bei etwa 4:20 min/km ein, während sich in meiner Seite langsam ein stechender Schmerz einstellt. Wäre ja zu schön gewesen. Bei Kilometer 5 bin ich ziemlich kurzatmig. Bei Kilometer 6 muss ich kurz gehen. Aber es hilft. Das Seitenstechen lässt nach und ich kann wieder Gas geben, sogar noch etwas mehr als zuvor.

Triathlon Erbach 2017

Glückliche Finisher!

Das Schöne: Ich kann beim Laufen wieder einige Plätze gut machen, was zusätzlich motiviert. Auf dem letzten Kilometer wartet ein kleiner Anstieg, der den Puls nochmal ordentlich in die Höhe treibt. Aber das ist jetzt auch egal. Nach 42:57 min endet der Laufsplit und ich überquere die Ziellinie auf Platz 65 mit einer Zeit von 2:31:19. Blöde Pinkelpause! Aber ist egal, für die aktuelle Form bin ich mit dem Ergebnisse mehr als zufrieden. In der Mannschaftswertung werde ich sogar Zweiter und insgesamt landen wir auf Platz 20 von 32 Teams, worüber wir uns alle sehr freuen.

Gute Vorzeichen

Zwei Wochen vor Roth könnte es um die Form also deutlich schlechter bestellt sein. Die große Unbekannte ist nach wie vor das Laufen. Die Achillessehne hat den Triathlon zwar einigermaßen gut überstanden, aber lange Läufe waren in den letzten zwei Monaten quasi Mangelware und so weiß ich nicht, wie viel Kraft mir hintenraus noch bleibt. Einen Longrun werde ich kurz vor knapp noch einbauen in der Hoffnung, dass bis in zwei Wochen alles seinen Gang gehen wird. Ich freue mich jedenfalls schon jetzt tierisch auf die Challenge Roth und bin echt heiß. Ich hoffe, ihr haltet mir die Daumen.

Bleibt sauber,

Jörn

Jörn

Jörn

... mag Kuchen, treibt liebend gerne Ausdauersport und ist vor allem im Triathlon beheimatet. Hat Ernährungswissenschaften studiert und ist das schlechteste Vorbild, wenn es um Essen geht. Und sonst: Berge, Trails, Schnee.
Jörn
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