Columbia Hike&Run Achensee

„Wenn die Berge rufen, muss ich gehen“ so prangert es immer mal wieder auf Bildern, die durch die sozialen Medien geistern. Und es steckt schon ein bisschen was Wahres darin. Die Berge wirken eine interessante Anziehungskraft aus. Jedes Mal, wenn ich in den Süden fahre und die ersten Ausläufer der Alpen sehe, fühlt es sich an, als würde ich nachhause kommen. Und so ist es auch, als ich an einem Mittwochmorgen im Juni an den Achensee fahre. Am Horizont türmen sich die Berge und mein Herz macht einen Sprung. „Endlich zuhause“.

Das ist nur ein Bruchteil…

Aber was macht der Triathlon-Fuchs, der diese Saison eigentlich wieder voll auf Asphalt ist, plötzlich in den Bergen? Urlaub. Soweit mal klar. Der Grund meiner Reise ist allerdings ein Wettkampf und zwar der Columbia Hike & Run am Achensee. Genauer gesagt, die Trail Challenge mit ihren 15 km und 750 Höhenmetern. Die Rennserie besteht aus insgesamt vier Events (Hohwachter Bucht, Achensee, Oberammergau, Plech) und hat zwei Trailrunning-Distanzen sowie eine 12- und eine 24-Stunden-Wanderung in Petto. Und weil knapp fünf Wochen vor der Challenge Roth ein kleines Trainingslager sicher nicht schadet, war die Idee eines verlängerten Wochenendes in den Bergen schnell festgezurrt.

Tag 1: Ein feuchtes Willkommen

Das Wetter ist noch nicht so gut, als ich am Achentalerhof, meinem Feriendomizil am Achensee, ankomme. Die freundliche Begrüßung durch das Hotelpersonal macht die dunklen Wolken aber erstmal vergessen und ich beginne das zahlreiche Sportequipment aus meinem Kofferraum in mein Hotelzimmer zu schleppen. Die Räder werden derweil im Keller geparkt und ich stehe vor der Entscheidung, ob ich heute schon mal die erste Runde drehe. 

Der Blick in den Himmel macht diese Entscheidung nicht ganz so klar, wie ich es mir wünschen würde. Aber verdammt, was soll ich sonst die ganze Zeit machen. Also schmeiße ich mich in Schale und fetze mit dem Crosser erstmal eine kleine Runde am Seeufer entlang. Leider kann man den See nur zu Fuß umrunden, da die Trails an der Westseite nicht befahrbar sind. Wer das einmal im Wettkampf tun möchte, dem sei der Achenseelauf wärmstens empfohlen!

Also geht es von Pertisau direkt wieder zurück – nicht, ohne dass ich von oben noch eine ordentliche Dusche abbekomme. Das ist allerdings nichts, was eine Stunde in der Sauna nicht wieder wettmachen könnte. Tiefenentspannt gönne ich mir das leckere gutbürgerliche 5-Gänge-Menü und sinke müde, zufrieden und gesättigt ins Bett.

Tag 2: Sonne satt

Schon als ich die Vorhänge am nächsten Morgen öffne, lächelt mir die Sonne entgegen. Optimal – soll es doch heute gleich nach dem Frühstück direkt in die Berge gehen. Schnell streife ich mir mein Laufoutfit über und sitze keine zwei Minuten später bei Rührei, Brötchen und Müsli in der Gaststube. Ich meine es mal wieder etwas zu gut, wie sich kurze Zeit später beim Bergauflaufen herausstellt…

Mein Magen gluckst, während die Höhenmeter unter mir verfliegen. Das ausgemachte Ziel heute ist der Christlumkopf auf etwa 1750 m Höhe. Die Aussicht wird mit jedem Schritt besser und ich fange schon wieder exzessiv an zu knipsen. Das könnte heute etwas länger dauern – aber ich habe ja Zeit. Die Kühe am Wegesrand sind erstaunt, haben doch heute noch nicht sehr viele Menschen ihren Weg passiert.

Schon nach gut einer Stunde erreiche ich den schönen Aussichtsgipfel und lasse den Blick schweifen. Großartig. Einfach großartig. So kann es bleiben. In freudiger Erwartung auf den Downhill steige ich langsam vom Gipfel ab. Es ist sehr technisch und es gibt zahlreiche Stufen, die das Vorankommen erschweren. Schon lange her, dass ich in solchem Gelände unterwegs war. „Eile mit Weile“ heißt deshalb die Devise.

Kurz bevor ich ein kleines Schneebrett passiere, erblicke ich eine große Herde Gämse am Hang, die – ähnlich wie die anderen befleckten Paarhufer – durchaus erstaunt über diesen bunt gekleideten Typen sind. Langsam taste ich mich über den Altschnee voran, hier und da ist es unterspült, aber in keinem Fall gefährlich. Was danach folgt ist erstmal pures Downhillvergnügen. Irgendwann werde ich wieder vom Wald verschluckt, der mich direkt am Eingang meines Hotels ausspuckt. Ein wirklicher grandioser Start in den Tag.

Es ist 12 Uhr. Nach einer kurzen Stärkung folgt Akt Zwei des Sporttags. Und zwar auf dem Crosser. Die als schwer markierte Mountainbikestrecke „Rund um die Unnütz“ soll es sein, zu einer bewirtschafteten Alm mit Kaffee und Kuchen. Geht schon irgendwie. Allerdings zeigt sich der Hauptanstieg als ganz schön knackig und meine Oberschenkel ächzen, habe ich sie doch schon am Morgen ordentlich geschunden. 

Stets das Ziel – Kaffee und Kuchen – vor Augen, kurbele ich mich nach oben und als endlich die Alm in Sicht kommt bin ich erleichtert. Hastig deute ich der Bedienung an, mir eine Stärkung zukommen zu lassen. Ich muss nicht sagen, dass es eine wahre Wonne war, bei einer wahnsinnig schönen Fernsicht ein leckeres Stück Kuchen zu verhaften. Die Abfahrt ist im ersten Teil etwas technisch, mit dem Crosser aber gerade noch fahrbar. Danach folgt lediglich ein sanftes Auf und Ab über Forstwege zurück nach Achenkirch. Einfach eine rundum gelungene Tour!

Tag 3: Die Muskeln mucken

Zugegeben, nach einer fünfwöchigen Laufpause war es vielleicht keine gute Idee, meine Oberschenkel direkt wieder drei Stunden über die Trails zu qäulen. Aber wie eingangs schon gesagt, wenn die Berge rufen… Allerdings ist der Muskelkater an diesem Freitagmorgen nicht von dieser Welt. Nur sehr schwerfällig bewege ich mich aus dem Bett und schlurfe in Richtung Frühstück. Wenigstens das Wetter ist nach wie vor großartig!

Nach kurzer Überlegung entscheide ich mich, heute ein kleines Regenerationsprogramm zu fahren. 50 km auf dem Rad, 5 km Laufen und dann noch eben schnell in den See hüpfen und ein paar Bahnen ziehen. Die ausgesuchte Radstrecke zur Gramaialm stellt sich allerdings als nicht unbedingt einfach heraus und schon sind meine Beine wieder im Angriffsmodus. Dafür ist die Ab- und Rückfahrt nach Achenkirch sehr entspannt und der direkt danach folgende Lauf wird im absoluten Wohlfühltempo absolviert.

Zurück im Hotel packe ich meine Schwimmsachen und düse mit dem Rad ans Seeufer. Hätte ich mal lieber auf die Wassertemperaturen geschaut. Die nette Rezeptionistin am nahen Restaurant quittiert mein Zittern mit: „Mehr als 13° Grad hat er sicher nicht.“ Ja, das habe ich gemerkt. Aber nachdem ich mich vor allen Touristen in meinen schwarzen Neoprenanzug geschält hatte, wollte ich mir die Blöße nicht geben, gleich wieder auszusteigen Die Sauna im Hotel ist schon angeheizt, als ich zurückkomme und dementsprechend schnell bin ich wieder auf Temperatur. Am Abend ziehen dunkle Wolken auf und es beginnt stark zu regnen. 

Tag 4: Willkommen in der Welt des Trailrunning

Es ist Samstag – der Tag des Wettkampfs. Die Beine sind immer noch schwer und so beschließeich, nach dem Frühstück noch eine kurze Lockerungsrunde mit dem Rad zu drehen. 30 km gemütlich am Seeufer entlang, irgendwo einen Espresso trinken und wieder zurück. Der Plan geht tatsächlich einigermaßen gut auf. Meine Oberschenkel geben mir zu verstehen, dass sie mit einem Start am Mittag einverstanden sind. 

Auf dem Rückweg besorge ich noch schnell die Startunterlagen – aktuell ist noch alles recht ruhig, klar zwei Stunden vor dem Start ist noch nicht viel los. Zurück im Hotel bereite ich mich vor. Etwa eine halbe Stunde vor dem Start mache ich mich auf den Weg und bin schließlich eine viertel Stunde später an Ort und Stelle. Ich schüttele noch ein paar Hände, da sind z.B. Klaus und Lena von www.trampelpfadlauf.de, mit denen ich noch etwas fachsimple, bevor kurz darauf der Startschuss fällt.

Ich renne los und komme nach etwa zwei Kilometern am ersten Uphill an. Einmal hoch, einmal runter. So die grobe Wegbeschreibung. Ich  Gut, dass ich Stöcke dabei habe. Der Uphill ist echt anstrengend, aber die immer schöner werdende Aussicht entschädigt! 

Nach der Pflicht kommt die Kür. Der flowige Höhenweg verrinnt förmlich unter meinen Füßen und es stellt sich der pure Genuss ein.Der folgende Downhill ist wiederum sehr technisch und erfordert einiges an Konzentration. Ich werde von den jungen Wilden überholt, die bereits die ersten 20 km der langen Strecke hinter sich haben. Wahnsinn wie die hier runter donnern.

Ich erreiche einen Forstweg und komme langsam wieder in einen regelmäßigen Joggingschritt. Irgendwann stellen sich dann leider kleine Problemchen ein. Die Haltemuskulatur ist die Downhills noch nicht gewöhnt und ich muss ein paar Gehpausen einlegen um durchzuatmen. Ich komme dem Ziel immer näher, während sich die Zeit immer weiter in Richtung 2-Stunden-Marke bewegt. Sub2 – das packe ich noch! Und tatsächlich, bei 1:59:40 laufe ich über die Ziellinie, glücklich, die Tortur hinter mir und ein paar tolle Eindrücke mitgenommen zu haben.

Ich freue mich schon auf das Finisherbuffet und lasse den Blick über den Platz schweifen. Hm, irgendwie steht da nur ein Kanister mit Isodrink und einer mit Wasser. Gibt es etwa nichts zu futtern? Etwas enttäuscht, lasse ich mich erstmal auf der Bank nieder und fülle den Flüssigkeitshaushalt so gut es geht auf. Ich genieße das Wetter, schieße noch ein paar Fotos und mache mich zurück zum Hotel. Erst noch kurz in die Sauna, bevor ich mir eine Pizza einverleibe und einmal mehr totmüde im Bett versinke.

Tag 5: Adieu, du schöner Achensee

So schnell der Urlaub kommt, so schnell geht er auch wieder vorbei. Wie es immer so ist. Heute ist noch ein bisschen Ausschlafen angesagt, bevor ich ein letztes Mal das leckere Frühstück im Achentalerhof genieße. Ich bin ziemlich erledigt, will aber nicht gleich nachhause. Also nochmal ab aufs Rad und gemütlich durch die Gegend pedaliert. Ich nehme erneut die Strecke zur Gramaialm unter den Gummi und genehmige mir vor Ort noch einen zweiten Kaffee.

Heute ist nur Genuss angesagt. Nach einer kurzen Pause bei einem herrlichen Bergpanorama schwinge ich mich wieder in den Sattel und rolle gemütlich zurück nach Achenkirch. Ein Eisbecher später und frisch geduscht packe ich Räder und Reisetasche ins Auto und sage Adieu zu dem schönen Bergsee, der für wenige Tage mein Gastgeber war.  

Ein abschließendes Dankeschön und eine Empfehlung…

An das ganze Team vom Columbia Hike&Run, an den Achensee Tourismus und natürlich an den Achentalerhof sei ein großes Dankeschön gerichtet. Es war mir eine Freude, für eine kurze Zeit bei euch zu Gast sein zu dürfen. Wer einmal einen wunderschönen Urlaub an einem großartigen Platz verbringen möchte, dem sei der Achensee wirklich wärmstens ans Herz gelegt. Zieht euch nur dick an, wenn ihr darin plantschen wollt! 😉 Gerade zum Wandern, Laufen und fürs Trailrunning bieten sich hier zahlreiche Möglichkeiten. Der schon erwähnte Achenseelauf findet übrigens Anfang September statt, falls ihr noch nichts vorhabt!

Aber auch die Columbia Hike&Run-Serie macht noch an einigen Stationen halt. Auf jeden Fall wären dem Wettkampf mehr Starter zu wünschen! Die Strecke war wirklich großartig und von Anmeldung bis zum Ziel lief eigentlich alles reibungslos. Leider zu spät habe ich erfahren, dass es wohl doch ein Finisherbuffet gab… Wir und auch andere haben es aber nicht gefunden. Es wäre schön, wenn hier in Zukunft ein paar Hinweisschilder gestanden hätten.

Aber seis drum, der Achensee sieht mich auf jeden Fall wieder.

Jörn

Jörn

... mag Kuchen, treibt liebend gerne Ausdauersport und ist vor allem im Triathlon beheimatet. Hat Ernährungswissenschaften studiert und ist das schlechteste Vorbild, wenn es um Essen geht. Und sonst: Berge, Trails, Schnee.
Jörn

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