Mit oder ohne – Musik beim Sport

Es ist immer wieder ein gerne diskutiertes Thema: Sport mit oder ohne Musik. Die Einen sagen, dass sie es niemals vorstellen könnten, dass die Natur doch die bessere Begleitung sei – die Anderen argumentieren, dass Musik sie antreibt und noch besser Laufen lässt. Eine Antwort auf die Frage, ob man mit oder ohne Musik laufen sollte, ist vermutlich nicht sonderlich einfach zu finden. Schließlich ist es eine absolut individuelle Sache. Aber wie ist das eigentlich so bei den Füchsen? Wir wollen es euch verraten:

Johannes – oben ohne!

Ich laufe nicht mit Knopf im Ohr. Ich bin doch schließlich kein Fuchsplüschtier von Steiff. Ich hab’s versucht, ich hab’s wirklich versucht. Aber es wollte nicht funktionieren. In meinem Ohr singt Eric Fish von Subway to Sally eines meiner Lieblingslieder „Besser Du rennst“:

„Besser Du gehst“ – wie jetzt, gehen? Ok, aber dann überholen mich doch alle?
„Besser Du läufst“ – na endlich, wieder laufen …
„Besser Du rennst“ – echt? Schlussspurt, Zwischenspurt? Egal, ich renne …
„So schnell du kannst“ – mach ich doch!!
„Wie weit Dich Dein Atem tragen kann“ – Rennen? Atem tragen kann? Ich kann nicht mehr ….

Zum Glück, Lied vorbei. Nächstes Lied Rammstein „Zerstören“:

„Ich will zerstören“ – Wirklich? Jetzt? OK, voller Zorn, dass mein Atem mich nicht mehr tragen kann, schmettere ich meine Laufuhr auf den Asphalt ….
„Doch es darf nicht mir gehören“ – Verdammt, das hättest auch mal vorher sagen können ….

Ich glaub, ich lass das lieber, dieses Ding mit dem Knopf im Ohr. Schon kommen sie mir entgegen, die Geräusche des Waldes – sanftes Blätterrauschen im lauen Sommerwind, fernes und nahes Vogelgezwitscher, das Gepiepse der Laufuhren meiner Mitläufer – Kilometerton oder doch eher der Pulswarner, weil zu schnell unterwegs? Egal, von rechts dringt das Schnaufen des Kontrahenten neben mir in mein Ohr. Blick nach rechts, der kann nicht mehr. OK, doch wieder Knopf an, mich vom Beat treiben lassen ……

Wupps, so richtig Beat ist das ja nicht, was mir John Denver hier entgegen säuselt. Egal, ich mag das Lied:

„Take me home“ – wie? jetzt schon? Aber das Ziel … und so …
„Country roads“ – meinst Du den Feldweg hier? OK ..
„To the place I belong“ – Hey Schatz, bin wieder da. Der John meinte, ich soll heimgehen …

Während ich dann zu Hause auf der Couch sitze, und beschließe, mich nie wieder vom Knopf im Ohr leiten zu lassen, trällert Freddy im Ohr meines Kontrahenten von vorher:

„We are the Champions“ – na Glückwunsch …
“No time for loosers” – meint der mich?

Jeder wie er will. Aber ich habe für mich selber festgestellt, dass ich lieber ohne Musik laufe und auf mich, meinen Körper und meine Umgebung höre. In diesem Sinne halte ich es mal wie Bruce „Baby, We were born to run“.

Jörn – immer mit (wenn es geht)

Mit schweren Schritten schraube ich mich langsam den Anstieg nach oben. Auf meinen Ohren wummert es heftig. „Leuchttürme wanken im Wind, doch fallen niemals um“. Ich wanke. Aber ich falle nicht. Auch wenn mein Puls bereits jenseits von gut und böse ist. Der Beat des Madsen-Songs ist langsam und passt perfekt zu meinem Laufrhythmus. Da endlich, der Scheitelpunkt, das nahe Ende der Tortur. Die Playlist springt weiter. „Was geht? Grad‘ ist alles ganz schön ok“. Recht hat er, der Felix von Kraftklub. Großartige Aussicht, durchatmen, Musik genießen. Ein herrlicher Moment. Gemütlich weitertraben und auf den Downhill freuen.

„Spring, spring, spring, wenn ich das hier für dich sing'“. Springwut heißt der Song, der mit seinen rasanten Punk-Klängen antreibt, als hätte ich ein Stück Kuchen vor der Nase. Ich springe von Fuß zu Fuß und donnere den Downhill hinunter. Freude macht sich breit. Auf meinen Ohren dröhnt es „Atme aus und lass‘ es raus!“. Und wie ich das tue. So macht das Laune!

Szenenwechsel. Es ist Sonntag. Ein langer Dauerlauf steht auf dem Programm. Die Sonne scheint, die Schuhe sind geschnürt und meine Akustik-Playlist steht auf Shuffle. Heute dürfen es gerne etwas sanftere Klänge sein. Melodisches Gittarenzupfen begleitet mich, während ich den wunderbaren Ausblick auf die ferne Alb genieße. Meine Gedanken driften ab und es vergeht Kilometer um Kilometer. Ich gerate ein ums andere Mal in Schwärmen . Da kommt gerade einfach alles zusammen: Schönes Wetter, ein gemütliches Läufchen und entspannte Musik. Was gibt es besseres, um den Kopf frei zu bekommen und Stress vergessen zu machen?

Musik und Sport – das gehört für mich zusammen wie der Fuchs und Kuchen – oder Schinkennudeln mit Ketchup. Ohne geht nicht – bzw. nur widerwillig. Schließlich ist es beim Wettkampf zumeist verboten. Aber im Training? Ja, bitte. Immer!

Wie so oft…

… jeder so, wie er mag. Johannes läuft eben lieber ohne, ich dafür bin einfach ein Musik-Junkie und höre bei jeder sich bietenden Gelegenheit Musik und so natürlich auch beim Sport. Ich nutze sie sogar zu Trainingszwecken. Habt ihr schon mal ein Fahrtspiel nach Musik gemacht? Dafür einfach eine Playlist basteln, mit unterschiedlich schneller Musik. Die BPM (Beats per Minute) eurer Spotify-Playlist könnt ihr z.B. mit dem Tool Sort your Music herausfinden und entsprechend an euer Schritttempo anpassen. Eine sehr nette Abwechslung zum sonstigen Trainingsallerlei.

Ich kann aber natürlich auch jeden verstehen, dem der Sound der Natur die Power gibt. Vogelgezwitscher, ein plätschernder Bach oder das rascheln der Blätter im Wind – das hat auch was. Wie ist das bei euch? Lauft ihr lieber mit oder ohne Musik auf den Lauscherchen?

Jörn

Jörn

... mag Kuchen, treibt liebend gerne Ausdauersport und ist vor allem im Triathlon beheimatet. Hat Ernährungswissenschaften studiert und ist das schlechteste Vorbild, wenn es um Essen geht. Und sonst: Berge, Trails, Schnee.
Jörn
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10 Comments

  1. Florian sagt:

    Ich laufe definitv ohne Musik, war nie mein Ding.
    Auf langen, flachen Läufen habe ich aber gerne die einschlägigen Lauf-Podcasts im Ohr (RatBoysRun, Running Podcast, usw.) – natürlich nur, wenn ich alleine unterwegs bin; in diesem Fall ersetzen die Podcaster einen gesprächigen Mitläufer 😉
    Bei technisch anspruchsvollen Trailruns verzichte ich komplett auf Kopfhörer, da ich mich hier auf den Laufuntergrund und die Umgebung konzentrieren muss.

    Grüße aus dem Schwarzwald
    Florian

    • Jörn sagt:

      Podcasts sind bei mir auch hin und wieder drin, aber ich bin einfach zu musikverliebt 🙂 In vielen Jahren habe ich zum Glück noch immer jeden Stein und jede Wurzel auf dem Weg mitbekommen 🙂 Viele Grüße von der Alb! 🙂

  2. Eddy sagt:

    Das Thema „mit oder mit ohne“ Musik ist immer wieder für eine kontroverse Diskussion gut. Darum werden wir Deinen Beitrag am 22.2. als Tipp des Tages weiter empfehlen. 🙂

  3. Jeder nach seiner Façon. Allerdings sehe ich einen Leistungsunterschied:
    Auch als ambitionierter Marathon-Läufer (2:56h) habe ich immer auf Musik verzichtet. Gerade in dem Bereich geht es um intrinsische Motivation und den eigenen Willen, bestimmte Trainingsziele zu erreichen. Das teile ich mit anderen guten Läufern auch.
    Langsamere Läufer („Ich will die 42km durchkommen“) sind eher geneigt, externe Motivatoren zu finden. Diese habe ich subjektiv als Musik-Läufer wahrgenommen.
    Und nicht zuletzt: Was gibt es schöneres als den Wind und das Vogelgezwitscher in den Ohren zu haben?

    • Jörn sagt:

      Hi Nicolas – danke für den Beitrag. Was den Wettkampf angeht bin ich natürlich ganz bei dir. Beim Marathon bin ich auch mit anderen Dingen beschäftigt, als auf die Musik zu achten. Im Training sieht das allerdings ganz anders aus 🙂 Aber wie du schon richtig feststellst – jeder nach seiner Facon! Viele Grüße, Jörn

  4. Patrick sagt:

    Habe es auch ohne Musik versucht, aber ist bei mir auch relativ schwer. Ich habe mittlerweile tolle Playlists und diese pushen mich regelrecht. Es kommt natürlich vor, dass es mir auch mal zu viel wird und ich ein paar KM ohne laufe, aber gerade im Winter, im Dunkeln, brauche ich die Musik richtig. Im Wettkampf fehlt sie mir dann auch nicht, weil ich dort anders fokussiert bin und die Stimmung an der Strecke auch anders ist als im Training. Hörbücher klappen übrigens überhaupt nicht 😉

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