Testbericht: Zaosu Racing+ Neoprenanzug

Meine erste Langdistanzsaison 2016 war erfolgreich. Sehr erfolgreich sogar. Zumindest aus Sicht eines ambitionierten Hobbysportlers. Mit einem Trainingsaufwand von im Schnitt 14 Stunden pro Woche eine Zeit von knapp über 11 Stunden zu erreichen, war für mich ein persönlicher Erfolg mit dem ich so nicht gerechnet habe. Besonders beim Schwimmen war es ein echter AHA-Moment, als ich beim Ausstieg tatsächlich meine angepeilte Zeit auf der Uhr hatte und sich meine Arme akzeptabel schwer angefühlt haben. Man soll zwar nicht unbedingt alles aufs Material schieben, aber mein Neo, der mich dieses Jahr im Freiwasser und an kühlen morgen im Freibad begleitet hat, war schon ein echt feines Teil. Der Racing+ von Zaosu hat es mir angetan – warum erfahrt ihr im Testbericht.

Hinweis: Der Neoprenanzug wurde mir kostenfrei zur Verfügung gestellt, die hier dargestellte Meinung wurde nicht beeinflusst

Daten und Fakten zum Racing+

Der Neoprenanzug wird als Modell für Mittel- und Langdistanzen beworben und soll vor allem für „fortgeschrittene Triathleten“ optimal sein – ob ich mich als solchen bezeichnen soll… Ich bin nicht sicher 🙂 Außerdem bietet der Racing+ folgende Features:

  • Material: Yamamoto #40 mit NANO SCS-Beschichtung
  • Aerodome: Luftkammer-System im Brustbereich
  • Super-Stretch-Einsätze und unterschiedliche Materialstärke für Flexibilität und Auftrieb
  • Fast-Release-System an den Beinen
  • Materialstärke:
    Brust: 4.0 mm
    Achsel: 2.0 mm
    Oberarm: 2.0 mm
    Unterarm: 2.0 mm
    Oberschenkel: vorne 5.0 mm, hinten 3.0 mm
    Wade: 2.0 mm bis 3.0 mm

Unboxing und erster Eindruck

Huch – das ist aber ein großes Paket. Ich meine ok, das Packmaß eines Neoprenanzugs ist nun mal nicht klein, aber so groß – nunja, lassen wir uns mal überraschen. Die ganze Ãœberraschung relativiert sich schnell, als ich den Karton öffne. Denn der Racing+ kommt in einem Hartschalenköfferchen, der zum Transport dient und mit einige Trageriemen ausgestattet ist. Positive Ãœberraschung Nummer Eins! Ich öffne den rundum laufenden Reißverschluss und entnehme das Herzstück, den Anzug selbst.

Ausgesprochen leicht im Vergleich zu meinen zwei Neoprenanzügen, die ich bisher mein Eigen nennen durfte (den Orca Sonar und den Zone3 Vision). Auf den ersten Blick alles normal und gut. Die Verarbeitung gefällt und das Reinschlupfen geht direkt mal recht einfach von der Hand? Vielleicht doch zu groß? Mal sehen, was der erste Test ergibt. Durch die Kordel am Reißverschluss lässt sich dieser leicht zuziehen und schwupps, stecke ich komplett drin. Ich wedle ein wenig mit den Armen umher – fühlt sich gut an. Nun aber zum eigentlich Test im kühlen Nass…

Der Racing+ im Freiwasser und Schwimmbad

Ja, ich bin eines von diesen Weicheiern, die auch im Freibad hin und wieder mit Neo unterwegs sind. Aber morgens früh ist es mir schlicht und ergreifend zu kalt und ich möchte nicht riskieren, mir eine Erkältung einzufangen. Auch wenn manch einer, gerade von der älteren Garde, mich komisch anschaut, wenn ich mich am Beckenrand in die schwarze Neoprenhaut zwänge. Aber hier geht es ja nun nicht wirklich um meine Animositäten, also zurück zum Wesentlichen.

Ich springe ins Wasser und flute den Anzug. Das lässt mich für einen Moment erzittern, aber kurz darauf stellt sich bereits das wohlig warme Gefühl ein, dass ich beim Tragen eines Neos so schätze. Wärmeleistung passt, aber das ist noch keine Überraschung. Die kommt aber direkt nach den ersten 100 Metern, denn ich bin gleich mal 10 Sekunden schneller, als ohne Anzug. Diese Leistung konnte ich auch in anderen Tests reproduzieren und auch bei 200 m, 300 m, und 500 m setzt sich die Zeitersparnis ungehindert fort. Tendenziell würde ich sagen, dass ich noch ein wenig schneller bin, als mit meinen alten Anzügen, aber das ist ein subjektiver Eindruck.

Die erste wirkliche Überraschung erwartet mich, nachdem ich die 1000 m geknackt habe. Bisher war es immer so, dass meine Arme mit der Zeit schmerzten, wenn ich mit Neo geschwommen bin. Das habe ich immer auf den Umstand geschoben, dass es eben so sein müsse, weil das Material ja nun mal einen Widerstand bietet, wenn ich den Arm nach vorne hole. Doch dieses Gefühl bleibt aus. Auch nach weiteren 1000 m schwimme ich mit einem äußerst angenehmen Gefühl. In Roth habe ich auf den 3,8 km bis auf die normale Ermüdung der Muskulatur sonst keine Probleme gehabt. Echt Top!

Ab in die Wechselzone

Wenn man aus dem Wasser steigt, gilt der erste Gedanke dem Abstreifen des Anzugs. Klettlasche auf, Reißverschluss runter und aus mit dem Ding. Die Bewegungen sind einstudiert und laufen wie von selbst. Der Ärmel lässt sich gut über die Uhr ziehen und die Füße sind ebenso schnell draußen. Der Wechsel funktioniert und der Racing+ macht keine Probleme. Das habe ich zwei Mal in einer Wettkampfsituation, sowie mehrere Male im Training getestet.

Langzeittest und Haltbarkeit

Den Racing+ hatte ich bei fast jedem zweiten Freibadtraining und bei jedem Freiwasserausflug dabei. Außerdem war ich mit ihm beim Lauinger Triathlon und bei der Challenge Roth am Start. Er hat also diese Saison viele Schwimmkilometer mitgemacht und ich kann sagen, dass er noch sehr gut aussieht. Ich bin immer sorgsam mit dem Anzug umgegangen, aber wo ich beim Zone3 Vision schon öfter mal mit dem Neoprenkleber anrücken musste, ist beim Racing+ nicht ein Kratzer zu sehen. Das gefällt. Auch in Sachen Flexibilität hat er nichts eingebüßt.

Der Zaosu Racing+ ist mit 399€ (UVP, Stand 23.10.2016 auf 299€ reduziert) im oberen Preissegment angelegt, aber meine Ansicht nach jeden Cent Wert. Ich freue mich nach wie vor, so ein tolles Teil mein Eigen nennen zu dürfen und freue mich auf viele weitere Rennen.

Jörn

Jörn

... mag Kuchen, treibt liebend gerne Ausdauersport und ist vor allem im Triathlon beheimatet. Hat Ernährungswissenschaften studiert und ist das schlechteste Vorbild, wenn es um Essen geht. Und sonst: Berge, Trails, Schnee.
Jörn

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