Action-Fotos knipsen – so gehts!

Es könnte so schön sein: Ich sprinte rasante Trails runter, fahre mit der Sonne im Rücken zu neuen Bestzeiten und schwimme gemächlich durch das dampfende Freibad am kühlen Sommermorgen. Aber was auf meinen Bildern oft so heroisch aussieht, ist nur in den seltensten Fällen ein Schnappschuss, der sich genau so zugetragen hat. Vielmehr gehen bei fast jeder Trainingseinheit ein paar Minuten drauf, damit ich das ein oder andere schöne Foto mit nach Hause bringe. Und dort werden die dann noch durch die Bearbeitungssoftware gejagt um die Sonne noch sonniger zu machen und die Silhouette noch silhouettiger. Zum Schluss auf ein tolles Ergebnis zu blicken, macht die Mühen aber mehr als Wett und es macht mir extrem viel Spaß, die meist doch ganz gut geratenen Werke später bestaunen zu können. Im Folgenden Beitrag möchte ich dir ein paar Tipps geben, wie du selbst ein paar schöne Bilder machen kannst.

Teil 1: Die Ausrüstung

Zwar passt meine Spiegelreflexkamera gut in meinem Laufrucksack, aber das Teil ist ja nicht unbedingt leicht, weshalb es mich nur hin und wieder mal beim Radeln begleitet. Für Aufnahmen beim Laufen habe ich immer meine Action-Kamera dabei. Eine Garmin Virb der ersten Generation. Die hat den Vorteil, dass sie gut in der Hand liegt und ohne Probleme auf viele Oberflächen gestellt werden kann, was bei der GoPro oder ähnlichen Modellen nur geht, wenn man den entsprechenden Halter mit dabei hat. Außerdem wichtig: Eine Fernbedienung. Selbstauslöser geht auch, erfordert aber ein sehr genaues Timing. Du solltest zudem stets die Serienbildaufnahme einstellen. Genau den perfekten Moment zu erwischen wird sonst nur noch schwieriger. Ich habe die persönliche Erfahrung gemacht, dass das Smartphone hier eher ungeeignet ist. Erstens kann man es schlecht aufstellen, es gibt idR. keine Fernbedienung und die Aufnahmen in Bewegung sind ebenfalls eher mäßig.

Immens wichtig für mich: Ein kleiner Bildschirm auf der Kamera. So kann man im Vorfeld die Perspektive genau festlegen. Nicht alle Action-Kameras bieten diese Funktion, für meine Bilder ist sie aber fast unerlässlich. Sonst wirds schnell ein Schuss ins Blaue.

Teil 2: Die Perspektive

Oben, unten, seitlich, von vorne – eigentlich sind der Phantasie hier keine Grenzen gesetzt. In der Regel ist es so, dass Nahaufnahme deutlich dynamischer wirken, da man näher an der Action dran ist. Will man sich vor einer Landschaft aufnehmen, sollte die Kamera logischerweise etwas weiter entfernt liegen. Ich würde dir empfehlen, einfach mal drauf zu halten. Dann wirst du schnell merken, was gefällt und was vor allem funktioniert.

Versetze dich einfach Mal in die Beobachterperspektive und stelle dir vor, wie es aussieht, wenn du dich selbst beim Laufen beobachtest – vielleicht aus dem Dickicht des Waldes heraus. Dann positioniere die Kamera in einem Baum ein Stück entfernt und laufe daran vorbei – mit etwas Glück hast du hier schon einen richtigen guten Schnapp! Stelle dir bildlich vor, was cool und schön sein könnte und versuche es umzusetzen. Ãœbung macht hier den Meister und mit der Zeit wirst du passende Orte und Perspektiven schnell erkennen.

Eine ziemlich einfach Variante, bei der eigentlich immer was nettes passiert, ist, die eigene Silhouette vor der Sonne zu fotografieren. Dazu muss man eigentlich nur darauf achten, dass die Kamera dann in eurem Schatten liegt, wenn ihr den Auslöser drückt. Gerade hier ist die Serienbildaufnahme Gold wert, da es in der Bewegung schwer ist, den richtigen Moment zu treffen.

Teil 3: Das Motiv

Dann stellt sich natürlich die Frage, was auf dem Bild zu sehen sein soll. Das musst nicht immer du selbst sein. Ein verschlungener Trail im grünen Wald ist sicherlich auch schön, selbst wenn kein Läufer darauf zu sehen ist. Gleiches gilt natürlich für eine Straße, die in den Sonnenuntergang führt.

Versuche doch mal nur einen Teil von dir auf dem Bild zu haben. Zum Beispiel deine Schuhe – dazu einfach die Kamera ganz an den Schuhen positionieren oder sehr dicht daran vorbei laufen. Oder du fotografierst auf dem Rad nach hinten heraus dein Hinterrad, während du über den Asphalt saust. Hier bitte unbedingt darauf achten, nicht auf der Straße zu fotografieren. Sicherheit geht vor! Nur auf dem Radweg und am besten auch nur dann, wenn wenig los ist.

Auch hier muss man ein eigenes Auge für entwickeln. Ist da ein verkrüppelter Baum? Dann nix wie abgelichtet. Ein cooles Graffiti am Brückenpfeiler kommt ebenfalls ziemlich cool. Aber auch sowas profanes wie ein blühendes Raps- oder Weizenfeld kann im richtigen Moment einen schönen Zauber entwickeln.

Teil 4: Nachbearbeitung

Ein gutes Bild haben wir jetzt also schon mal gemacht. Aber es sieht trotzdem noch irgendwie langweilig aus. Die Fotos, die ich unbearbeitet hochlade sind selten, denn dafür muss alles ziemlich perfekt sein. Daher werden alle Bilder nochmal durch den PC gejagt. Ich nutze hierfür das Programm Adobe Lightroom, denn es eignet sich gut zum editieren mehrerer Bilder gleichzeitig. Allerdings ist es kostenpflichtig. Eine kostenlose Alternative könnte das Programm LightZone sein, das als OpenSource-Software verfügbar ist.

Hat man die Bilder also von der Kamera importiert und aussortiert – denn in der Regel kommen doch einige zusammen – wird es Zeit ein bisschen an den Reglern zu drehen. Bei Landschaftsbildern wird per se erstmal der Kontrastbalken nach rechts geschoben. Da kommt dann noch mal einiges aus dem Bild heraus. Jetzt kann man weitergehen und an den Tiefen herumspielen, um die Schatten aufzuhellen oder abzudunkeln. Es ist also das richtige Werkzeug, wenn man Lichtfehler hat oder die Silhouette noch besser herausarbeiten möchte. Ich muss ja ehrlich zugeben, dass ich mich hier eher von meinem Gefühl leiten lassen und einfach wild an den Reglern rumspiele, bis das passende Ergebnis vor mir steht.

Teil 5: Beispiele

Last but not least, möchte ich dir jetzt noch ein paar Beispiele zeigen, wie einige meiner Bilder entstanden sind, und wie sie im Rohformat aussehen.

Beispiel 1: Dynamisches Laufbild

Links haben wir das Originalbild. Die Kamera liegt quasi direkt vor der Pfütze und ist ein wenig nach oben geneigt. Bei der Nachbearbeitung wird dann nur noch der Kontrast hoch geschraubt und ein wenig mit dem Licht gespielt. Fertig ist ein ziemlich cooles Laufbild!

VIRB PictureVIRB Picture

Beispiel 2: Dramatisches Radbild

Hier mal ein guter Beweis dafür, dass man mit Bildbearbeitung nochmal einiges rausholen kann. Zuerst habe ich das Bild zugeschnitten und begradigt. Danach habe ich den Kontrast erhöht und die Tiefen nach oben geschraubt. Um den Himmel noch etwas dramatischer zu gestalten, wurde er mit dem Korrekturpinsel bearbeitet und verdunkelt. Dynamik und Sättigung noch etwas nach oben, damit die gelbe Jacke und der blaue Fahrradrahmen besser rauskommt. Et voila!

Sportbilder machen (c) foxletics.comSportbilder machen (c) foxletics.com

Beispiel 3: Guten Morgen auf dem Rad

Hier war ich mit meiner Spiegelreflex unterwegs (ISO 400, 1/320, f13), was man unschwer daran erkennen kann, dass das Ausgangsbild links schon sehr gut aussieht. Allerdings kann man natürlich mit ein paar Kniffen noch etwas herausholen. Dreht man am Schwarz-Regler, wird die Silhouette verbessert und mit ein bisschen Spielerei in Sachen Dynamik, Sättigung und Klarheit wird der Himmel richtig schön stimmig. Die dunklen Ränder sind eine Vignettierung und kommen eigentlich bei all meinen Bildern zum Einsatz. Das hilft, den Fokus etwas auf das Motiv zu lenken. Ich habe im RAW-Format fotografiert, was bei der Spiegelreflex-Fotografie Standart sein sollte. Hier werden deutlich mehr Informationen in einer Datei gespeichert, so dass man noch mehr Möglichkeiten beim Bearbeiten hat.

Sportbilder machen (c) foxletics.comSportbilder machen (c) foxletics.comBeispiel 4: Schwimmen am Morgen

Wie ich ja schon weiter oben schrieb, kann man mit der Sonne viele schöne Sachen machen. Besonders beim morgendlichen Schwimmen im Freibad. Hier kommt es natürlich stark auf den richtigen Moment an. Die Sonne geht gerade über dem beheizten Becken auf und durchleuchtet den Nebel. Auch hier habe ich am Bild nicht viel verändert. Nur die Klarheit und die Temperatur etwas verändert. Manchmal hat man einfach Glück, was auch ein Grund dafür ist, dass ich eigentlich immer mindestens eine Kamera dabei habe, die ich hier übrigens auf einem Startblock positioniert habe.

Sportbilder machen (c) foxletics.comSportbilder machen (c) foxletics.com

 

Und zum Schluss…

Fotografieren ist Ãœbungssache. Bis die Bilder so stehen, dauert es eine Weile und man muss ein Händchen für Perspektiven und Momente entwickeln. Training – eben wie beim laufen, radeln, schwimmen auch – ist das A und O. Aber auch das Equipment spielt natürlich eine nicht unwichtige Rolle. Probiert aus, spielt ein bisschen herum und ihr werdet den Dreh schnell raus haben. Wenn ihr noch mehr Tipps rund ums Fotografieren braucht, dann schaut doch mal bei der lieben Ulligunde rein, die in diesem Bericht Tipps für Outdoorfotos gibt und nebenbei natürlich selbst richtig schöne Bilder produziert. Auch empfehlen kann ich euch rose.fm und den rasenden Trailreporter Robert von trailstripsrelax.de.

Viel Spaß beim Knipsen wünscht euch,

der Fuchs!

Jörn

Jörn

... mag Kuchen, treibt liebend gerne Ausdauersport und ist vor allem im Triathlon beheimatet. Hat Ernährungswissenschaften studiert und ist das schlechteste Vorbild, wenn es um Essen geht. Und sonst: Berge, Trails, Schnee.
Jörn
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18 Comments

  1. Sebastian sagt:

    Vielen Dank für den informativen Text. Ich habe ihn gerne gelesen und war sehr überrascht, am Ende einen Link zu mir zu finden; vielen Dank dafür! 🙂

    Ich muss gestehen, dass ich mich mit der Action-Cam schwer tue. Meinem GoPro-Klon konnte ich bisher selten Bilder entlocken, mit denen ich zufrieden war. Unterwegs mache ich die Bilder dann doch eher mit dem iPhone oder mit der kompakten und wasserdichten Nikon AW 110.

    Grundsätzlicher ist der Konflikt Training/Fotografieren. Einerseits will man „nur schnell ein Bild machen“, andererseits weiß man, dass gut Bilder eben mal schnell gemacht werden. Aber ich habe mir auch vorgenommen, das Thema in diesem Jahr verstärkt anzugehen. Denn was liegt näher, als zwei Hobbys, die man hat, zu kombinieren.

    • Fox sagt:

      Hi Sebastian, was du sagst, kommt mir sehr bekannt vor. Letztes Jahr bin ich bei einem Lauf vor lauter Fotografiererei kaum zum Laufen gekommen. Aber zum Glück ist das nur selten der Fall und inzwischen habe ich auch genug Ãœbung, damit die Pausen recht kurz gehalten werden können. Oder ich mache direkt „Fototouren“ wie z.B. bei dem Sonnenaufgangs-Rad-Bild.

  2. Florian sagt:

    Ich muss ja zugeben ich nehm meist mein IPhone 6s für Fotos während des Laufens (Mach aber auch weniger Action Fotos, mehr Landschaftsaufnahmen). Ich denk hauptsächlich aus Bequemlichkeit heraus, weil ich das Teil sowieso immer dabei hab. Die Tipps mit der Nachbearbeitung find ich klasse, da ich hier noch nicht viel mache und du schön zeigst wieviel man da noch raus holen kann. Cooler Artikel. Werd ich mir was für meine eigenen Fotos mitnehmen 🙂

    • Fox sagt:

      Danke Florian. Mit dem Handy gelingen Landschaftsaufnahmen in der Regel ja auch sehr gut. Nur bei Actionfotos musste ich die Erfahrung machen, dass meines (Xperia Z3), einfach nicht so pralle ist. Da funktioniert die kleine Kamera besser 🙂

  3. Daniel sagt:

    Ein Fuchs dieser Fuchs!

    Danke für Deinen Einblick in Deine Trickkiste. Ich muss das wirklich bewundern. Ich mache auf dem Rad super gerne Fotos (dort habe ich auch meistens eine richtige Cam einstecken) – aber beim laufen hab ich mir es schon sooo oft vorgenommen und so selten gemacht.

    Lauf unterbrechen, Perspektive checken, Foto machen … zurücklaufen … irgendwie bin ich dann immer zu faul. Letztlich gibt es dann nur Strecke bei mir zu sehen. Um so cooler finde ich es dann auch, deine Fotos mit Sportler drauf regelmässig zu Gesicht zu bekommen.

    Nachdem die ganzen Tricks aus dem Sack sind, wird jetzt natürlich das Internet mit lauter Foxletics-Kopien geflutet werden … das ist dir hoffentlich klar 🙂

    • Fox sagt:

      Ja, es geht leider manchmal viel Zeit drauf. Aber da ich es echt gerne mache und so wenigstens den Anschein von Sportlichkeit vorgaukeln kann, ist es mir das auch Wert 😉

      • Daniel sagt:

        Also ich hab das jetzt die letzten Male etwas öfter ausprobiert, so einfach ist das wirklich nicht, vor allem beim Radfahren. Die Reichweite meiner Fernbedienung ist fürs Rad relativ gering … dann muss das Timing stimmen.
        Aber es macht schon Spaß … also danke nochmals für die Tipps … ab sofort gibts eben mehr Fuchs-Style Fotos in den Social Medias.

        • Fox sagt:

          Nicht nur das Timing, auch das Tempo und die Lichtverhältnisse. Ich fahre immer langsam an der Kamera vorbei. Aber deine Bilder sprechen für sich! 😉

  4. Daniel sagt:

    Vielen Dank für diesen Beitrag, da konnte ich viel lernen. Teste ich später und am Wochenende, Ausrüstung ist vorhanden. 🙂

    Viele Grüße
    Daniel

  5. Toller Beitrag! Auch wenn die meisten Bilder für Instagram und Co. sind, macht es mir doch mehr Spaß ein gelungenes Bild anzusehen. Mit deinen Tipps kann man da viel verbessern. Und Spaß macht es auch! Serienaufnahmen sind unbezahlbar! 😉
    VG, Matthias

  6. Chris sagt:

    Super Sache, einige Sachen mache ich schon ähnlich, manchmal hilft aber auch ein Denkanstoß wo man nachjustieren kann und vorallem was besser geht !
    Schöne Bilder, wenn ich mal immer die Zeit hätte das alles nachzubearbeiten wie ich will….

  7. Sascha sagt:

    Toll wenn man da ein Händchen für hat, ich bin meist zu ungeduldig mich damit großartig zu beschäftigen und begnüge mich meist mit dem Early Bird Filter von Instagram 🙂

  8. Christiane sagt:

    Sehr cool!
    Vielen Dank!
    Ich bin ja neu in der ActionCam Szene, und habe mit eine Virb XE gegönnt, die ich leider noch nicht ausführen konnte, weil pünktlich zum Liefertermin enormen Jobstress und danach Erkältung… Das mit der Nachbearbeitung ist für mich totales Neuland. Aber die Ergebnisse sprechen für sich. danke für die Tipps!

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