Lichtenstein Skyrace 2015

Hoch, runter, hoch, runter, viele schmale Wege, et voila – ein geniales Trail-Erlebnis ist geschaffen. Kein Wunder eigentlich, wenn sich die Chefriege des Trail Magazins (inkl. Mama und Paap) höchst selbst um die Organisation kümmert. Das erste Lichtenstein Skyrace 2015 war aus meiner Sicht ein voller Erfolg! Auch, wenn die versprochenen 99% Trailanteil nicht so ganz hin gehauen haben.

On my way to Lichtenstein

Lichtenstein Skyrace 2015 (c) fox-trails.comDas Wetter am Samstagmorgen ist noch etwas durchwachsen. Als ich die Läden nach oben ziehe und das Fenster kippe, erwischt mich ein kühler Lufthauch. Ich gehe an den Schrank und krame ein langes Unterhemd heraus, dass ich sicherheitshalber als Ergänzung zum etwas luftigeren Laufoutfit mitnehme. Nachdem ich mich in Schale geschmissen und gefrühstückt habe, sitze ich auch schon im Auto. Nächster Halt: Lichtstein. Aber nicht etwa das Fürstentum, sondern die Stadt mitten in der Schwäbischen Alb, die von den grünen Hängen der umliegenden Berge eingerahmt ist und der Austragungsort des ersten Lichtensteine Skyrace darstellt.

Mit jedem Kilometer den ich zurücklege, scheinen die Temperaturen zu klettern und als ich schließlich am Start ankomme, haben sich alle Wolken verzogen und die Sonne strahlt den Planeten mit all ihrer Kraft an. Das lange Unterhemd ziehe ich gleich wieder aus. Inzwischen ist es definitiv zu warm dafür. An der Lichtensteinhalle versammeln sich schon zahlreiche Läufer, die aus ganz Deutschland angereist sind und schon einige Tage im Trailrunning-Camp verbracht haben. Da sind zwei bärtige Typen aus Hessen mit seltsamen Namen, genauso wie alte Bekannte aus der hiesigen Trailrunningszene – und alle warten gespannt auf den Startschuss.

Lichtenstein Skyrace 2015 (c) fox-trails.comWährend schon alle nervöse mit den Hufen scharren, kämpfen Markus und ich uns noch durch die Menge und versuchen einen guten Startplatz zu ergattern. Irgendwie stehen wir ganz schön weit vorne, was zumindest meinem Leistungsanspruch nicht ganz gerecht wird. Also ein Stück weiter nach hinten. Dann fällt endlich der Startschuss und die 180 Athleten starke Masse setzt sich mehr oder weniger träge in Bewegung.

Trails satt!

Bereits nach wenigen hundert Metern erreichen wir die erste Steigung, die ich natürlich viel zu schnell angehe. Dafür habe ich die 300 Höhenmeter auf etwa 3,5 km schnell hinter mir und ich freue mich, denn jetzt sind es ja nur noch knapp 700 Höhenmeter und 18 km – fast geschafft. Etwas überrascht bin ich, als die Strecke nach links abknickt und wir auf einen wirklich schmalen Trail mitten durchs Gebüsch laufen. Macht auf jeden Fall tierisch Spaß, auch wenn ich alle zwei Meter einen Ast im Gesicht hab.

Lichtenstein Skyrace 2015 (c) fox-trails.comEs geht weiter bergab – diesmal auf einem Forstweg, was zwar weniger spannend ist, aber durch eine tolle Aussicht aufgewertet wird. Parallel zum Reissenbach geht es weiter in Richtung Lichtenstein, wo uns der zweite Hauptanstieg zum Schloss erwartet. Erneut stellen sich uns etwa 300 Höhenmeter in den Weg, die hinten raus ziemlich steil und dementsprechend anstrengend werden. Inzwischen bin ich ganz froh, dass ich als einer von wenigen meine Stöcke dabei habe.

Ein paar kleine Hügelchen später – die nebenbei bemerkt ziemlich kräftezehrend sind –, kommt dann endlich das Schloss Lichtenstein und damit der heiß ersehnte Verpflegungspunkt in Sicht. Ein Becher Iso-Getränk, ein Gel und etwas Obst später, geht es dann gleich weiter. Nach dem Schloss wartet ein rassiger Downhill, auf den gleich wieder ein Anstieg folgt –  das meine Ambit keine Zeit in der Ebene anzeigt, ist definitiv kein Fehler.

Lichtenstein Skyrace 2015 (c) fox-trails.comDie letzten sechs Kilometer sind der Knaller – die Strecke war bisher ja schon ziemlich gut, aber die flowigen Trails, die in sanftem Wellengang bis zum Sportgelände in Untershausen führen, dürften selbst die asphaltierten Herzen der Straßenläufer aufweichen.  Obwohl meine Beine schon ziemlich schwer sind, genieße ich jeden Stein, jede Wurzel und jeden Grashalm, der mich in Richtung Ziellinie trägt. Nicht mal der längere Anstieg zum Ziel kann mir die Laune jetzt noch vermiesen.

Als ich den großen La-Sportiva-Bogen durchquere, stehen 2:29 h auf der Uhr. Gar keine schlechte Zeit für mich. Letztendlich lande ich damit auch Platz 61 von 166 Finishern. Nicht mal die magere Zielverpflegung – zum leider nicht essbaren Finisher-Shirt gibts leider nur Wasser – kann diesen tollen Lauf noch vermiesen. Das einzig bedauerliche ist, dass er nicht noch länger gedauert hat.

Allen, die diese genialen Trails gerne selbst einmal erleben möchten, sei ein Urlaub in Lichtenstein wärmstens ans Herz gelegt – oder aber ihr blockt euch schon mal den Mai 2016, denn das Lichtenstein Skyrace soll laut den Veranstaltern in eine zweite Runde gehen!

Jörn

Jörn

... mag Kuchen, treibt liebend gerne Ausdauersport und ist vor allem im Triathlon beheimatet. Hat Ernährungswissenschaften studiert und ist das schlechteste Vorbild, wenn es um Essen geht. Und sonst: Berge, Trails, Schnee.
Jörn
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